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Die Friedrichsschule in der Weimarer Republik

Die Friedrichsschule in der Weimarer Republik – Spannungen zwischen Reform, Krise und politischer Polarisierung

Rückkehr zum Schulalltag und Demokratisierungsversuche (1918–1926)

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs begann für die Friedrichsschule eine Zeit tiefgreifender Veränderungen. Ab 1919 stellte sich der Unterrichtsalltag schrittweise wieder ein, als die im Krieg eingesetzten Lehrer zurückkehrten und die zahlreichen Aushilfen – darunter erstmals auch Lehrerinnen – ausschieden. Im Laufe des Jahres 1919 konnte der reguläre Schulbetrieb im Wesentlichen wiederhergestellt werden. Einzelne Kriegsfolgen wirkten allerdings länger fort. Ein Lehrer, der 1917 in französische Gefangenschaft geraten war, konnte seinen Dienst beispielsweise erst Ostern 1920 wieder aufnehmen.

Diese Rückkehr bedeutete jedoch keine stabile Ordnung. Die Jahre der Weimarer Republik wurden für die Schule zu einer Phase der politischen Auseinandersetzungen, der sozialen Not und der pädagogischen Reformversuche.

Die politischen Umwälzungen der Revolution von 1918/19 spiegelten sich auch im inneren Leben der Schule wider. Auf Grundlage eines Ministerialerlasses vom 27. November 1918 entschied sich die Schülerschaft durch Abstimmung für die Bildung einer Schulgemeinde. Ihr gehörten die Schülerinnen und Schüler von der Untersekunda bis zur Oberprima an. Aus ihrer Mitte wurde ein Schülerausschuss gebildet, in den jede Klasse zwei gewählte „Sprecher“ entsandte. Hinzu kam ein aus dem Kollegium gewählter Lehrer als Berater. Die Schulgemeinde trat mehrmals im Halbjahr zusammen. Schüler hielten Vorträge, anschließend wurde diskutiert. Auch schulorganisatorische Fragen konnten zur Sprache kommen.

Die Erwartungen an diese Form der Selbstverwaltung erfüllten sich jedoch nur teilweise. Im Schuljahr 1924/25 kam die Schulgemeinde lediglich zu zwei Sitzungen zusammen. Nachdem die letzte unter erheblichem Lärm verlaufen war, untersagte der Direktor im Einvernehmen mit dem Kollegium zunächst weitere Zusammenkünfte. Im folgenden Schuljahr ordnete die Schulaufsicht die Wiederaufnahme der Sitzungen an. Nach mehreren weiteren Versuchen beschlossen die Schüler im Sommerhalbjahr 1926 schließlich selbst mit Mehrheit die Auflösung der Schulgemeinde. Als Begründung wurde ausdrücklich festgehalten, dass die notwendige Begeisterung für die Einrichtung fehle und schulische Angelegenheiten in den einzelnen Klassengemeinschaften zweckmäßiger besprochen werden könnten.

Damit verschwand die Mitwirkung der Schüler allerdings nicht. Sie beteiligten sich weiterhin am Aufsichtsdienst, an der Ausgabe von Karten und Unterrichtsmitteln sowie an der Verwaltung von Sammlungen und Klassenbibliotheken. 1927/28 hielt ein Oberprimaner in einer freien Versammlung der oberen Klassen einen Vortrag über eine Fahrt nach Weimar. Schüler wirkten außerdem an Sportveranstaltungen, Vereinen, Wandergruppen, Orchester und anderen Bereichen des Schullebens mit. Die Weimarer Versuche schulischer Selbstverwaltung führten an der Friedrichsschule somit nicht zu einer dauerhaften parlamentarischen Organisationsform, hinterließen aber Formen praktischer Schülerbeteiligung.

Ein bemerkenswertes Experiment war auch die im Herbst 1921 gegründete „Schulzeitung“. Sie sollte als geistiges Bindeglied zwischen Schule und Elternhaus dienen und zugleich die seit 1916 nicht mehr erschienenen Jahresberichte teilweise ersetzen. Neben einzelnen Lehrkräften arbeiteten vor allem Schüler mit. Veröffentlicht wurden schulische Mitteilungen, Berichte über Veranstaltungen und die Schulgemeinde, Beiträge zu Sport, Nikotinmissbrauch, Astronomie und Relativitätstheorie sowie literarische Versuche von Schülern. Wegen der rapide steigenden Kosten während der Inflation musste die Zeitung bereits im September 1922 nach acht Ausgaben wieder eingestellt werden.

Dauerhafter erwies sich der Elternbeirat. Seine Einführung beruhte auf einer ministeriellen Regelung vom 5. November 1919. Er besaß beratende Funktion und konnte Wünsche und Anregungen zu Schulbetrieb, Erziehung und körperlicher wie geistiger Bildung vorbringen. Auch bei Schulverweisungen sollte die Elternvertretung gehört werden. Die Mitglieder wurden in geheimer Wahl gewählt.

Im Laufe der 1920er Jahre entwickelte sich der Elternbeirat zu einem tatsächlich aktiven Element des Schullebens. 1924/25 beriet er gemeinsam mit dem Kollegium über den geplanten Ausbau der Realschule zur Oberrealschule und schloss sich dem neu gegründeten Provinzialverband der Elternbeiräte an. In späteren Jahren brachte er Beschwerden, Wünsche und Anregungen ein, unterstützte Anschaffungen und sammelte beispielsweise Geld für das Schülerorchester. Seit der zweiten Hälfte der 1920er Jahre gehörten ihm auch Frauen an.

Politische Spannungen und Radikalisierung (1919–1929)

Die frühen Jahre der Weimarer Republik stellten die Friedrichsschule vor Herausforderungen, die weit über pädagogische Fragen hinausgingen. Die gesellschaftlichen Umbrüche nach 1918 und das neue politische Klima führten dazu, dass die Schule zunehmend in den Mittelpunkt politischer Auseinandersetzungen geriet. Besonders konfliktträchtig wurde das Verhältnis zu Teilen der sozialdemokratisch dominierten Kommunalpolitik. Eine zentrale Rolle spielte dabei Dr. Salomon. Er war allerdings in den frühen 1920er Jahren noch nicht Bürgermeister: Seit Februar 1919 gehörte er der Stadtverordnetenversammlung an, 1924 wurde er Stadtrat und erst Anfang 1930 Erster Bürgermeister.

Teile der Schülerschaft zeigten bereits sehr früh nationalistische, völkische und antisemitische Einstellungen. Zu Beginn des Winters 1919/20 wurden in und bei der Friedrichsschule Zettel mit der Aufschrift „Nieder mit den Juden!“ angebracht. Wer dafür verantwortlich war, ließ sich nicht feststellen. Da das Gebäude auch anderen Personen zugänglich war, war nicht einmal gesichert, dass die Täter Schüler der Friedrichsschule waren.

Im Sommer 1920 sorgte bei einem Schulausflug ein weiterer Vorfall für Aufmerksamkeit. Ein Obersekundaner zeigte seinen Mitschülern Werbematerial des antisemitischen Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes. In der folgenden Diskussion äußerte ein jüngerer Schüler, wenn die Arbeiterschaft erkenne, von wem sie „geführt“ werde, könne es leicht zu einem Pogrom kommen. Gleichzeitig wurden Schüler wiederholt innerhalb und außerhalb der Schule mit Hakenkreuzen angetroffen.

Dr. Salomon sprach einen älteren Schüler wegen des Tragens eines Hakenkreuzes auf offener Straße an und wandte sich anschließend schriftlich an die Schulleitung. Die Auseinandersetzung eskalierte im Sommer 1920 zu einer kommunalpolitischen Kontroverse. Im städtischen Schulausschuss und anschließend in der Stadtverordnetenversammlung wurde der Friedrichsschule eine „Kapitulation […] vor Hakenkreuzlern“ vorgeworfen und eine Resolution gegen antisemitische Umtriebe verabschiedet. Es folgten eine Elternversammlung, Befragungen durch die Schulaufsicht, die Anhörung des Schülerausschusses sowie die ausdrückliche Weisung an das Kollegium, antisemitische Propaganda in der Schule nicht zu dulden. Die vorgesetzte Behörde kam am 16. November 1920 schließlich zu dem Ergebnis, dass die Schule ihre Pflicht erfüllt habe und die Ursachen der beanstandeten Einstellungen vor allem in den Elternhäusern zu suchen seien.

Damit war der Konflikt jedoch nicht beendet. Hakenkreuze wurden innerhalb der Schule in den folgenden Jahren seltener, blieben im öffentlichen Raum aber sichtbar. Gleichzeitig wurde die Friedrichsschule von unterschiedlichen politischen Seiten zum Gegenstand grundsätzlicher Auseinandersetzungen. Gerade diese wechselseitige politische Vereinnahmung prägte das Verhältnis von Schule und Stadtverwaltung über Jahre hinweg.

Im Wahlkampf um das Reichspräsidentenamt 1925 zeigte sich die politische Aufladung erneut. Plakate des Zentrumspolitikers Wilhelm Marx, der als Kandidat des sogenannten Volksblocks gegen Paul von Hindenburg antrat, wurden von einzelnen Friedrichsschülern abgerissen, beschädigt oder mit Bemerkungen versehen. Der Kreisausschuss des Volksblocks wandte sich deshalb an den Direktor und kündigte an, dass das Reichsbanner für den Schutz der Plakate sorgen werde. Die Schulleitung ermahnte daraufhin die Schüler ausdrücklich, Wahlplakate weder abzureißen noch zu beschädigen.

Auch die republikanische Symbol- und Festkultur blieb umstritten. Ein Ministerialerlass gestattete den Schülern 1926 ausdrücklich, an Schulfeiertagen die verfassungsmäßigen Reichs- und Landesfarben in der Schule zu tragen. Gleichzeitig stieß die Feier des Verfassungstages zumindest bei Teilen des Kollegiums und der Schülerschaft auf begrenzte Resonanz. 1929 fand sich innerhalb des Kollegiums niemand freiwillig bereit, die Ansprache zum Verfassungstag zu übernehmen, sodass ein Lehrer dienstlich dazu bestimmt werden musste.

Das politische Milieu der Schule war dennoch nicht auf eine einzige Richtung zu reduzieren. Neben den konflikthaften Erscheinungen bestanden zahlreiche unpolitische beziehungsweise kulturelle Schüleraktivitäten. Besonders stark war die Schulgruppe des Vereins für das Deutschtum im Ausland. 1924/25 gehörten ihr etwa 150 Schüler der Klassen I bis IV an. Die organisatorischen Geschäfte führten von den Klassen gewählte Vertrauensmänner unter einem Obmann aus der Prima selbständig. Daneben bestanden Sport-, Wander-, Tennis-, Kurzschrift- und Musikgruppen.

Die Friedrichsschule war in der Weimarer Republik damit weder schlicht eine „republikfeindliche Schule“ noch ein konfliktfreier Ort demokratischer Erneuerung. Vielmehr trafen in ihr republikanische Reformansätze, traditionelle schulische Strukturen, national geprägte Vereinskultur und teilweise offen völkisch-antisemitische Einstellungen aufeinander. Gerade diese Gleichzeitigkeit kennzeichnet die politische Ambivalenz der Epoche.

Strukturwandel, Reformen und soziale Folgen (1919–1932)

Nach dem Ende des Krieges begann zugleich ein grundlegender institutioneller Wandel. Bereits 1919 wurden die Vorschulklassen der Friedrichsschule schrittweise aufgelöst. Ein Ministerialerlass vom 6. März 1919 ermöglichte den Städten, mit dem Abbau ihrer Vorschulen bereits zu Ostern desselben Jahres zu beginnen. Luckenwalde machte davon Gebrauch. Die drei Vorschulklassen der Friedrichsschule wurden jahrgangsweise aufgehoben. Mit Ostern 1921 war der Übergang abgeschlossen und der Eintritt in die Sexta grundsätzlich nur noch aus der gemeinsamen Grundschule möglich.

Gleichzeitig entstanden an Luckenwalder Volksschulen Förderkurse. Begabte Kinder konnten dadurch bereits nach drei statt nach vier Grundschuljahren in die Sexta übergehen. Der republikanische Anspruch einer gemeinsamen Grundschule verband sich damit von Beginn an mit einer weiterhin bestehenden leistungsbezogenen Auswahl für den Übergang zur höheren Schule.

Ab Beginn der 1920er Jahre machten sich die wirtschaftlichen und sozialen Belastungen der Nachkriegszeit unmittelbar im Schulalltag bemerkbar. Seit Herbst 1920 versorgte die Kinderhilfsmission der amerikanischen Quäker gesundheitlich und wirtschaftlich bedürftige Kinder mit einem Schulfrühstück aus Milch und Brötchen. Ab Mai 1922 übernahm das städtische Wohlfahrtsamt einen Teil, seit Juni 1923 die gesamte Versorgung.

Die Fürsorge blieb auch nach der Stabilisierung der Währung ein fester Bestandteil des Schullebens. 1924/25 erhielten 33 Schüler das Schulfrühstück. 21 Schüler waren vollständig, 14 zur Hälfte und drei zu einem Viertel vom Schulgeld befreit. Die Unterstützungsbücherei stellte bedürftigen Schülern Bücher zur Verfügung, daneben wurden Unterrichtsbücher und Erziehungsbeihilfen aus öffentlichen Mitteln finanziert. 1926/27 erhielten 19 Schüler eine volle und 24 eine halbe Freistelle. 1927/28 nahmen im Durchschnitt bereits 42 Schüler am Schulfrühstück teil. Hinzu kamen Erholungsaufenthalte, die vom städtischen Wohlfahrtsamt vermittelt wurden.

Die Inflation hinterließ auch im materiellen Schulbetrieb deutliche Spuren. Der frühere Prämienfonds war durch die Geldentwertung verloren gegangen und musste durch Spenden ehemaliger Schüler und anderer Bürger neu aufgebaut werden. Unterrichtsmaterialien, Sammlungen und Bibliotheken konnten zeitweise kaum ergänzt werden. Im Winter 1923/24 wurde aus Gründen der Kohlenersparnis sogar das Lyzeum im Gebäude der Friedrichsschule untergebracht. Dafür mussten Räume als Klassenzimmer genutzt werden, die ursprünglich nicht für Unterricht vorgesehen waren.

Trotz dieser materiellen Einschränkungen veränderte sich auch der Unterricht. Im Jahr 1923 wurde in der Prima neben dem bestehenden Bildungsgang eine mathematisch-naturwissenschaftliche Gruppe eingerichtet. Die Neuordnung des höheren Schulwesens von 1925 beendete diese besondere Gabelung jedoch bereits wieder. Gleichzeitig scheiterte der Versuch, die Realschule der Friedrichsschule zu einer Oberrealschule auszubauen, letztlich am Widerstand des Finanzministeriums.

Die preußische Schulreform von 1925 veränderte die pädagogischen Leitvorstellungen deutlich. Im Mittelpunkt stand der sogenannte Arbeitsunterricht. An die Stelle eines vorwiegend lehrerzentrierten Vortrags sollte stärker die selbständige Erarbeitung durch die Schüler treten. Fragen, Antworten, Quellenarbeit und selbstgewählte Arbeiten sollten größeren Raum gewinnen. Zugleich wurden die planmäßigen Unterrichtsstunden reduziert und die Pflichtstundenzahl der Lehrkräfte erhöht, sodass pädagogischer Reformanspruch und staatliche Sparpolitik eng miteinander verbunden waren.

An der Friedrichsschule entstanden entsprechende Arbeitsgemeinschaften unter anderem in Physik, Chemie, Französisch und zeitweise Philosophie. Hinzu kamen Werkunterricht, Gartenarbeit, freies Gestalten und weitere freiwillige Angebote. Die naturwissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaften fanden besonders starken Zuspruch. Die spätere Abwertung dieser Reformansätze in der Schulgeschichtsschreibung der NS-Zeit ist vor dem Hintergrund eines inzwischen grundlegend veränderten, autoritären Bildungsideals zu sehen und sollte nicht als neutrale Bewertung ihres Erfolgs übernommen werden.

Rückgang der Schülerzahlen und institutionelle Krise

Der zahlenmäßige Rückgang der Friedrichsschule setzte deutlich vor der Weltwirtschaftskrise ein und darf deshalb nicht allein mit ihr erklärt werden. Nach Auflösung der Vorschule erreichte die eigentliche höhere Schule 1921/22 mit 353 Schülerinnen und Schülern ihren Höchststand. Danach sank die Zahl nahezu kontinuierlich: 322 im Schuljahr 1922/23, 321 im Jahr 1923/24, 308 im Jahr 1924/25, 282 im Jahr 1925/26, 274 im Jahr 1926/27, 258 im Jahr 1927/28, 247 im Jahr 1928/29 und 221 im Jahr 1929/30. Nach einem kurzfristigen Anstieg auf 230 im Jahr 1930/31 waren es 1931/32 nur noch 216.

Dieser langfristige Rückgang hatte konkrete organisatorische Folgen. Seit der Schulreform von 1925 mussten bei zu kleinen Jahrgängen Klassen des Reformrealgymnasiums und der Realschule zusammengeführt werden. Im April 1927 verlor die Friedrichsschule den Status einer „großen Doppelanstalt“ und wurde nur noch als „große Vollanstalt“ geführt. Im April 1929 musste sie auch aus dieser Kategorie ausscheiden und wurde fortan lediglich als „Vollanstalt“ geführt. Damit ging perspektivisch auch die Möglichkeit verloren, frei werdende höher dotierte Funktionsstellen wieder zu besetzen.

Zur allgemeinen Entwicklung kamen seit 1929 die Folgen der Weltwirtschaftskrise hinzu. Die kommunale Finanzlage verschärfte sich weiter. Bereits zuvor hatte die Stadt größere bauliche Investitionen immer wieder zurückstellen müssen. Gleichzeitig blieb ein beträchtlicher Teil der Schülerschaft auf Schulgeldbefreiungen, Unterstützungsbüchereien, Erziehungsbeihilfen und weitere Fürsorgeleistungen angewiesen. Die ökonomische Krise verstärkte damit einen Strukturwandel, der bereits Jahre zuvor eingesetzt hatte.

Auch die Schulleitung befand sich zeitweise in einer Übergangssituation. Oberstudiendirektor Dr. Anderson trat Ostern 1929 nach wiederholten längeren Erkrankungen in den Ruhestand. Oberstudienrat Friedrich Müller führte die Schule anschließend über zwei Jahre kommissarisch. Erst zum 1. Oktober 1931 übernahm Dr. Klemens Schwarte die Leitung.

Die Öffnung für Mädchen und die Vereinigung mit der Luisenschule

Auch die Zusammensetzung der Schülerschaft veränderte sich schrittweise. Mädchen waren entgegen dem Eindruck einer ausschließlich männlichen Anstalt bereits seit Beginn der Weimarer Zeit vereinzelt an der Friedrichsschule vertreten. Ihre Zahl blieb zunächst äußerst gering: 1919/20 und 1920/21 jeweils ein Mädchen, 1921/22 zwei. Seit der Mitte der 1920er Jahre nahm ihre Zahl jedoch kontinuierlich zu: vier Mädchen 1925/26, neun 1926/27, elf 1927/28, fünfzehn 1928/29, 23 im Jahr 1929/30, 28 im Jahr 1930/31 und schließlich 29 im Schuljahr 1931/32.

Da Luckenwalde kein Oberlyzeum besaß, konnten Mädchen nach entsprechender schulischer Vorbildung und zusätzlicher privater Vorbereitung im Lateinischen in höhere Klassen der Friedrichsschule eintreten. Mitte der 1920er Jahre war diese Praxis bereits etabliert. Im Schuljahr 1925/26 erhielten beispielsweise acht Mädchen eigenen Turnunterricht. 1928 gehörte mit Käthe Burmeister auch eine Schülerin zu den Abiturienten der Friedrichsschule.

Den tiefsten institutionellen Einschnitt am Ende der Weimarer Zeit brachte schließlich die Vereinigung mit der Luisenschule. Der Zusammenschluss war bereits länger diskutiert worden. Angesichts sinkender Schülerzahlen beider höherer Schulen und der angespannten städtischen Finanzlage versprach sich die Stadt davon Einsparungen bei Leitungs- und Lehrerstellen sowie die Möglichkeit, ein Schulgebäude anderweitig zu nutzen. Im Winter 1931/32 wurde die Frage nochmals im Elternbeirat erörtert.

Durch ministerielle Verfügung vom 16. März 1932 wurde die Luisenschule als selbständiges Lyzeum aufgehoben und der Friedrichsschule angegliedert. Die vereinigte Einrichtung führte fortan die Bezeichnung „Friedrichsschule (Vereinigte Friedrichs- und Luisenschule), Reformrealgymnasium und Realschule“. Im Schuljahr 1932/33 stieg die Schülerzahl dadurch auf 369, davon 174 Mädchen. In mehreren unteren Jahrgangsstufen wurden Jungen und Mädchen grundsätzlich in getrennten Abteilungen unterrichtet. Diese Trennung ließ sich organisatorisch jedoch nicht überall durchhalten.

Auch das Kollegium veränderte sich erheblich. Sieben Lehrkräfte der Luisenschule wechselten an die gemeinsame Anstalt, darunter fünf Frauen. Der Zusammenschluss war deshalb weit mehr als eine bloße Verwaltungsmaßnahme. Er veränderte innerhalb kurzer Zeit die soziale Zusammensetzung der Schule, die Geschlechterverhältnisse und das Kollegium grundlegend.

Zwischen Reformanspruch und politischer Zerrissenheit – Die Friedrichsschule in der Weimarer Republik

Die Weimarer Jahre brachten für die Friedrichsschule tiefgreifende strukturelle, pädagogische und politische Veränderungen. Die Abschaffung der Vorschule und Einführung der gemeinsamen Grundschule entsprachen zentralen Zielen der republikanischen Schulpolitik. Gleichzeitig führte die wirtschaftliche Not der Nachkriegszeit zu materiellen Einschränkungen, Schulspeisungen und organisatorischen Improvisationen.

Die Schule war dabei keineswegs nur passives Objekt staatlicher Reformen. Schulgemeinde, Schülerausschuss, Elternbeirat, Schulzeitung, Arbeitsgemeinschaften und vielfältige Schülervereine eröffneten neue Formen von Beteiligung und Eigenaktivität. Nicht alle erwiesen sich als dauerhaft. Gerade die Schulgemeinde scheiterte letztlich am fehlenden Interesse eines großen Teils der Schülerschaft. Andere Formen praktischer Mitwirkung blieben dagegen bestehen.

Pädagogisch öffnete sich die Schule reformorientierten Ansätzen wie dem Arbeitsunterricht, freiwilligen Arbeitsgemeinschaften, Werk- und Gartenunterricht und einer zeitweiligen mathematisch-naturwissenschaftlichen Profilierung. Diese Reformen vollzogen sich allerdings unter erheblichen finanziellen Zwängen. Pädagogische Neuorientierung, Stundenkürzungen und Sparmaßnahmen waren teilweise eng miteinander verbunden.

Der Rückgang der Schülerzahlen erwies sich als langfristiger Strukturprozess, der bereits zu Beginn der 1920er Jahre einsetzte und durch die spätere Weltwirtschaftskrise weiter verschärft wurde. Zugleich nahm die Zahl der Mädchen allmählich zu. Die Vereinigung mit der Luisenschule im Jahr 1932 bildete schließlich den institutionellen Endpunkt dieser Entwicklung und veränderte die Schule grundlegend.

Politisch war die Friedrichsschule ein Spiegel der gesellschaftlichen Polarisierung. Republikanische Mitwirkungs- und Erziehungsansätze bestanden neben erheblicher Distanz gegenüber der neuen Staatsordnung. In Teilen der Schülerschaft traten bereits unmittelbar nach 1918 völkische und antisemitische Einstellungen hervor. Gleichzeitig wurde die Schule selbst zum Gegenstand heftiger parteipolitischer Auseinandersetzungen, in denen tatsächliche Vorfälle, grundsätzliche Konflikte über politische Erziehung und wechselseitige politische Zuschreibungen ineinandergriffen.

Die Weimarer Geschichte der Friedrichsschule lässt sich deshalb weniger als geradliniger Weg von der Demokratie zum Nationalsozialismus verstehen als als eine Phase widersprüchlicher Entwicklungen. Demokratische Beteiligung, sozialstaatliche Fürsorge und reformpädagogische Modernisierung standen neben ökonomischer Krise, nationalen Traditionen und zunehmender politischer Radikalisierung. Gerade in diesem Nebeneinander wird sichtbar, wie stark die Friedrichsschule in die gesellschaftlichen Konflikte ihrer Zeit eingebunden war.

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