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Die Friedrichsschule im Kaiserreich

Die Friedrichsschule im Kaiserreich – Aufstieg einer städtischen Bildungsanstalt zwischen Tradition und Reform

Gründung und Aufbau (1863–1880)

Die Entwicklung des heutigen Friedrich-Gymnasiums reicht zurück bis ins Jahr 1863, als die städtischen Behörden auf das von vielen Bürgern seit Langem empfundene Bedürfnis nach einer höheren Schule reagierten. Ostern 1863 wurden zunächst zwei sogenannte Progymnasialklassen eingerichtet. Vorausgegangen war ein bereits 1862 gestellter Antrag des Magistrats zur Errichtung einer Realschule II. Ordnung, den die preußische Regierung jedoch mit Verweis auf das unzureichend ausgebaute Elementarschulwesen ablehnte. Nur unter der Bedingung, statt einer Realschule ein Progymnasium zu errichten und einen gymnasialen Lehrplan mit reduzierten Lateinstunden zu verwenden, wurde die Genehmigung erteilt.

Diese Bedingung spiegelt die hierarchische Struktur des preußischen Schulwesens im 19. Jahrhundert wider, in dem das Gymnasium als höchste Bildungsanstalt galt und andere Schultypen nach ihrem Verhältnis zu ihm definiert wurden. Die Reduktion der Lateinstunden ist Ausdruck einer Debatte, die seit den 1830er Jahren zwischen Vertretern klassisch-humanistischer Bildung und Anhängern moderner, praxisorientierter Curricula geführt wurde. Die Leitung übernahm Dr. Max Apel, zuvor Lehrer am Berliner Kadettenkorps, unterstützt von dem erfahrenen Elementarlehrer Köhler. Die Schule startete mit 27 Schülern in Sexta und 11 in Quinta. Der Unterricht fand zunächst in zwei Räumen der Stadtschule statt; auch Turn- und Musikunterricht teilten sich die Schüler mit der Volksschule. Die Schüler mussten Schulgeld zahlen, beispielsweise 18 Taler für Sexta, zusätzlich gab es separate Beiträge für Turnunterricht. Disziplinarmaßnahmen wie Strafbank, Nachsitzen, Körperstrafe oder Schulausschluss waren detailliert geregelt. Das verpflichtende Schulgeld verdeutlicht die soziale Exklusivität des höheren Schulwesens. Im 19. Jahrhundert blieb höhere Bildung in Preußen überwiegend bürgerlichen und wohlhabenderen Familien vorbehalten, während die Mehrheit der Bevölkerung auf die unentgeltliche Volksschule beschränkt blieb. Die spätere Rückschau von 1870 bestätigt die Ausgangslage präzise: Die Schule wurde zu Ostern 1863 mit 27 Sextanern und elf Quintanern eröffnet.

Bereits 1864 kam eine Quarta hinzu. Der Unterricht fand nun im Haus Demgensky statt. Schon in diesen ersten Jahren war die Entwicklung von einer hohen Fluktuation im Lehrerkollegium begleitet. Mehrfach mussten provisorische Lehrer eingestellt werden, teils wegen Krankheit, teils weil neue berufliche Aufgaben angenommen wurden. Besonders der Weggang von Dr. Apel im April 1869 – er folgte einem Ruf zurück an das Berliner Kadettenkorps – wurde als schwerer Verlust empfunden, da er als erster Leiter den Grundstein für die weitere Entwicklung gelegt hatte. Der Jahresbericht von 1869 betont ausdrücklich, dass die Schule diesem „treuen und eifrigen Arbeiter“ unendlich viel verdanke.

Wichtige strukturelle Entwicklungsschritte folgten: Ab 1865 wurde die Schule als „höhere Bürgerschule“ anerkannt. 1867 kam die Sekunda hinzu, was den Zugang zum einjährig-freiwilligen Militärdienst ermöglichte. Dieser Zusammenhang zwischen Schulabschluss und staatlich anerkannten Berechtigungen prägte bereits das preußische Bildungswesen vor der Reichsgründung von 1871 und wurde im Kaiserreich fortgeführt. Höhere Bildung eröffnete damit nicht nur intellektuelle Entwicklungsmöglichkeiten, sondern konkrete soziale, berufliche und militärische Aufstiegschancen. Für den Herbst 1869 genehmigte die Regierung die erste Abiturientenprüfung. Der weitere Ausbau der Anstalt war zugleich eng mit der Forderung nach angemessenen eigenen Schulräumen verbunden – ein Kraftakt, der zum Bau des Schulhauses in der Dahmer Straße führte, das 1871 eingeweiht wurde.

Vor dem Umzug in die Parkstraße im Jahr 1910 war das damalige Progymnasium in der Dahmer Straße ansässig.

Hinzu kam, dass die Stadt um 1868/69 mit erheblichen finanziellen Schwierigkeiten konfrontiert war. Die Behörden zweifelten, ob sich die zusätzlichen Ausgaben für eine höhere Schule neben der Besoldung der Volksschullehrer überhaupt dauerhaft tragen ließen. In dieser Phase stand die junge Anstalt kurzzeitig in Frage. Trotz dieser Belastungen hielt die Stadt an dem Projekt fest. Die Berichte betonen den festen Willen der städtischen Behörden, auch gegen Widerstände an dieser höheren Schule festzuhalten. Gerade darin zeigt sich bereits ein Grundmuster der weiteren Schulgeschichte: Die Entwicklung hing wiederholt von der Bereitschaft der Stadt ab, für höhere Bildung erhebliche finanzielle Lasten zu übernehmen.

Die Initiative zum Aufbau der höheren Lehranstalt ging dabei wesentlich vom damaligen Bürgermeister aus, der in der höheren Bildung ein zentrales Mittel zur städtischen Entwicklung und zur Hebung des bürgerlichen Gemeinwesens sah. Dies steht im Zusammenhang mit einer kommunalen Bildungspolitik des 19. Jahrhunderts, die sich nach der Reichsgründung noch verstärkte. Viele Städte nutzten den Aufbau höherer Schulen als Prestigeprojekte, um wirtschaftliche Attraktivität, kulturelles Profil und bürgerliche Selbstachtung zu stärken.

Auch Bürgermeister Dr. Werner wirkte später an entscheidenden Entwicklungsschritten mit. Gerade bei der Reform von 1906 wurde seine „Tatkraft und Umsicht“ ausdrücklich hervorgehoben. Bemerkenswert ist zudem, dass die Entwicklung von Beginn an auf einen immer weitergehenden Ausbau der Anstalt zielte, auch wenn der Weg zur vollständigen höheren Schule noch Jahrzehnte dauern sollte. Aus den zunächst nur zwei Progymnasialklassen entstand so schrittweise eine Institution, die schließlich selbst die vollständige Reifeprüfung abnehmen konnte.

Vom Progymnasium zum Reformrealgymnasium (1880–1906)

Einen wichtigen Statusgewinn brachte das Jahr 1880. Die Anstalt wurde damals noch nicht unmittelbar zum Realprogymnasium erhoben, sondern als höhere Bürgerschule hinsichtlich ihrer Berechtigungen den entsprechenden Klassen der Realschulen I. Ordnung gleichgestellt. Die institutionelle Bezeichnung änderte sich erst danach. Noch im März 1881 unterzeichnete Dr. Vogel als „Rektor der höheren Bürgerschule“, während das Schulprogramm von 1885 bereits ausdrücklich als Programm des „Realprogymnasiums zu Luckenwalde“ erschien. Der Übergang war somit ein Prozess und kein einzelner Umbenennungsakt des Jahres 1880.

Damit verfügte Luckenwalde nun über eine staatlich anerkannte höhere Lehranstalt, deren Bildungsgang auf die Oberstufe einer Vollanstalt vorbereitete, ohne selbst bereits über die vollständigen Jahrgangsstufen eines Realgymnasiums zu verfügen. Die Bedeutung solcher Berechtigungen war erheblich. Schulische Laufbahnen waren im preußischen Staat unmittelbar mit Zugängen zum Militär, zur Verwaltung, zu technischen Berufen und zu weiterführenden Bildungswegen verknüpft.

Eine weitere Vereinheitlichung erfolgte zum Schuljahr 1892/93. Nun galten neue amtliche Lehrpläne für Gymnasien, Realgymnasien, Oberrealschulen und Realschulen. Auch das Luckenwalder Realprogymnasium wurde damit stärker in die zentralstaatlich geregelte Typologie des höheren Schulwesens eingebunden.

Um 1900 geriet die Anstalt jedoch zunehmend unter Druck. Zu Beginn des Schuljahres 1901/02 besuchten 95 Schüler die Hauptanstalt. Im Schuljahr 1905/06 waren es zunächst noch 87, am 1. Februar 1906 lediglich 79. Für eine wachsende Industriestadt war diese Entwicklung problematisch. Die spätere Reform von 1906 war deshalb nicht einfach Ausdruck abstrakter bildungspolitischer Modernisierung, sondern auch eine Reaktion auf eine konkrete institutionelle Krise.

Gleichzeitig war das Fächerspektrum bereits breit. Neben Religion, Deutsch und Latein wurden Französisch und Englisch, Geschichte, Erdkunde, Mathematik, Naturwissenschaften, Zeichnen, Singen und Turnen unterrichtet. Drei Wochenstunden Turnunterricht waren für sämtliche Klassen verbindlich. Befreiungen waren grundsätzlich nur aus gesundheitlichen Gründen vorgesehen. Auch neue naturwissenschaftliche und lebenspraktische Gegenstände fanden Eingang. Das Ministerium verwies etwa auf Wetterbeobachtung und Wetterkarten, während der naturkundliche Unterricht anatomische Kenntnisse mit Fragen der Gesundheitslehre verband.

Der Schulbesuch blieb zugleich mit erheblichen finanziellen Hürden verbunden. Zum 1. April 1903 stieg das jährliche Schulgeld für die Klassen Sexta bis Untersekunda auf 130 Mark. Für die Vorschule waren 60 Mark zu entrichten. Neue Schüler mussten Geburts- und Impfnachweise sowie das Abgangszeugnis ihrer bisherigen Schule vorlegen und eine Aufnahmeprüfung bestehen.

Schon vor der Reform von 1906 bestand die Perspektive eines weiteren Ausbaus. Anfang des Jahrhunderts wurde ausdrücklich darüber nachgedacht, aus der bestehenden Schule langfristig eine vollständige höhere Lehranstalt zu entwickeln. Noch war offen, ob daraus ein Realgymnasium oder sogar ein humanistisches Gymnasium entstehen sollte.

Reform, Industrialisierung und Aufstieg zur Friedrichsschule (1906–1910)

Ein entscheidender Einschnitt war der Beschluss des Jahres 1906, das bestehende Realprogymnasium schrittweise in ein Reformrealgymnasium mit angegliederter Realschule umzuwandeln. Dieser Schritt reagierte sowohl auf den Wunsch nach einem zeitgemäßeren Bildungsgang als auch auf die deutlich gesunkene Schülerzahl. Die Reform griff den seit dem 19. Jahrhundert bestehenden Konflikt zwischen altsprachlicher und modernsprachlich-naturwissenschaftlicher Bildung auf, führte aber nicht zu einer Abkehr von höherer Allgemeinbildung. Vielmehr sollte eine andere Grundlage für sie geschaffen werden.

Direktor Dr. Ernst Vogel begründete den Reformbedarf mit den besonderen Verhältnissen Luckenwaldes. Bei Übernahme der Leitung hatte die Hauptanstalt weniger als 100 Schüler. Nach seiner Einschätzung entsprach eine Schule, die bereits in Sexta mit Latein begann, den Bedürfnissen einer „industriereichen Stadt“ mit einer stärker praktisch orientierten Bevölkerung nicht ausreichend. Vogel legte den städtischen Körperschaften deshalb eine ausführliche Denkschrift zur Umwandlung vor. Gleichzeitig betonte er später, dass die ersten Reformimpulse keineswegs ausschließlich von ihm selbst, sondern auch von den städtischen Körperschaften ausgegangen seien.

Am 19. Juni 1906 stimmte das Stadtverordnetenkollegium dem Reformkonzept unter Befürwortung des Magistrats zu. Im Herbst begannen Übergangsmaßnahmen. Vom 5. November an wurden diejenigen Quintaner, die in die künftige Reformanstalt übergehen wollten, vom Lateinunterricht befreit und erhielten stattdessen Französisch. Außerdem durfte der Direktor geeignete Mittelschüler nach einer Prüfung in die lateinlose Quinta aufnehmen. Ihre Schülerzahl stieg daraufhin auf 34, während die erste Vorschulklasse von 27 auf 41 Schüler anwuchs.

Die förmliche ministerielle Genehmigung der Reform folgte durch Verfügung vom 16. März 1907. Erst mit Beginn des Schuljahres 1907/08 wurden Reform-Sexta und Reform-Quinta regulär eröffnet. Zugleich wurde die Vorschule dreiklassig ausgebaut. Während der Übergangszeit bestanden deshalb Klassen des bisherigen Realprogymnasiums und der neuen Reformanstalt nebeneinander.

Das Frankfurter System unterschied sich vor allem durch die Reihenfolge der Fremdsprachen. Im bisherigen Bildungsgang begann Latein bereits in Sexta, Französisch folgte in Quarta und Englisch in Untertertia. In der Reformanstalt lernten die Schüler in den drei unteren Klassen zunächst Französisch. Latein setzte erst in Untertertia, Englisch in Untersekunda ein. Aus dem Nebeneinander mehrerer Fremdsprachen sollte bewusst ein zeitliches Nacheinander werden.

Die Schule bewertete die ersten Erfahrungen ausgesprochen positiv. Bereits 1907/08 herrschte unter den in Sexta und Quinta unterrichtenden Lehrern Einigkeit darüber, dass Französisch als erste Fremdsprache leichter zu erlernen sei, schnelleres Fortschreiten ermögliche und die Schüler stärker aktiviere. Auch die Versetzungsergebnisse fielen günstiger aus. Im folgenden Schuljahr wurde zusätzlich festgehalten, dass sich die Leistungen im Deutschen verbessert hätten.

Die Reform löste zugleich eine quantitative Expansion aus. Hatte die Hauptanstalt im Februar 1906 nur 79 Schüler gezählt, waren es im Februar 1909 bereits 148. Hinzu kamen 112 Schüler der Vorschule. Innerhalb von nur drei Jahren hatte sich die Schülerzahl der Hauptanstalt damit nahezu verdoppelt. Die vorhandenen Räume reichten schon 1907/08 nicht mehr aus. Die Vorschule musste vorübergehend ausgelagert werden, während die Stadt grundsätzlich den Bau eines neuen Schulgebäudes beschloss.

Im Schuljahr 1908/09 erhielt die Reformanstalt mit ministerieller Genehmigung den Namen „Friedrichsschule“. Namensgeber war Friedrich II., dem die damalige lokale Geschichtserzählung eine entscheidende Rolle bei der Ansiedlung der Tuchindustrie in Luckenwalde zuschrieb. Damit wurden die preußische Erinnerungskultur und die industrielle Identität der Stadt unmittelbar miteinander verbunden.

Die Reform war deshalb zugleich ein kommunalpolitisches Projekt. Ein Vertreter der Schulaufsicht beschrieb die frühere Anstalt rückblickend als beinahe „verdorrendes Pflänzchen“. Die neue Schulform sollte breiteren Kreisen eine höhere Bildung ermöglichen, die stärker auf die Lebenswirklichkeit einer Industrie- und Gewerbestadt bezogen war. Zugleich sollte sie verhindern, dass bildungsorientierte Familien ihre Kinder dauerhaft nach Berlin oder an andere Schulorte schickten. Höhere Bildung wurde damit auch als Instrument der Bindung an die eigene Stadt verstanden.

Repräsentationsarchitektur und Bildungsidentität: Die Einweihung des Neubaus 1910

Mit der Umsetzung der Reformpläne und der wachsenden Schülerzahl stand die Stadt vor der Aufgabe, der höheren Schule einen repräsentativen und funktionalen Neubau zu geben. Dies führte zu einem Ereignis, das nicht nur architektonisch, sondern auch symbolisch einen Höhepunkt in der Geschichte der Friedrichsschule darstellt.

Der Umfang des Vorhabens war beträchtlich. 1908 lag ein vollständiges Projekt mit einem Kostenanschlag von 518.000 Mark vor. Durch eine Begrenzung der Raumgrößen und den zunächst vorgenommenen Verzicht auf ein Direktorwohnhaus sollten die Kosten reduziert werden. Schließlich wurden für den Gesamtbau einschließlich Außenanlagen, Einfriedung und Innenausstattung etwa 470.000 Mark veranschlagt. Das bereits 1907 erworbene Grundstück am Stadtpark galt wegen der frischen Luft, des geringen Straßenlärms und der günstigen Belichtung als besonders geeignet.

Die feierliche Einweihung des neuen Gebäudes an der Parkstraße fand am 21. und 22. Januar 1910 statt. Am 21. Januar 1910 wurde das alte Gebäude mit einer Abschiedsfeier verabschiedet. Die Feier begann mit dem Choral „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ und endete mit „Deinen Ausgang segne Gott, deinen Eingang gleichermaßen“. Am 22. Januar folgte der Festumzug vom alten zum neuen Gebäude, wo Bauinspektor Heine den Schlüssel an den Bürgermeister übergab und dieser ihn an Direktor Dr. Ernst Vogel weiterreichte. Die Schüler waren zuvor unter Musik und mit Fahnen von der alten Schule durch die Breite Straße und die Parkstraße zum Neubau gezogen. Den Wunsch „Der liebe Gott beschütze dieses Haus und alle, die gehen ein und aus“ sprach nicht Bürgermeister Schmidt, sondern Direktor Vogel bei der symbolischen Übernahme des Schlüssels aus. Anschließend fand in der Aula des Neubaus die feierliche Eröffnung statt. Die Hauptfeier begann mit dem gemeinsam gesungenen Choral „Nun danket alle Gott“. Es folgten eine Andacht und ein Beitrag des Schülerchores, bevor Bürgermeister Schmidt das Wort ergriff. Diese feierliche Inszenierung verbindet Elemente bürgerlich-protestantischer Festkultur mit einem monarchietreuen Selbstverständnis. Schulbauten galten im Kaiserreich nicht nur als funktionale Infrastruktur, sondern als Symbole kommunaler Leistungsfähigkeit und kaiserzeitlicher Bildungsmission. Das neue Gebäude gliederte sich in Hauptgebäude, Turnhallen- und Aulabau sowie Klassenflügel.

Offizielle Einladung zum Festessen anlässlich der Einweihung des neuen Gebäudes in der Parkstraße

Es verfügte über große Unterrichtsräume, Fachräume für Physik und Chemie, eine Sternwarte, Werkstätten, eine Turnhalle und eine eigene elektrische Anlage. Hinzu kamen ein photographisches Atelier mit Dunkelkammer, ein Schülerlaboratorium und technisch aufwendig ausgestattete naturwissenschaftliche Räume. Da Luckenwalde noch kein städtisches Elektrizitätswerk besaß, erzeugte die Schule den für den naturwissenschaftlichen Unterricht und die Lüftungsanlage benötigten elektrischen Strom mit Gasmotor, Dynamomaschine und Akkumulatoren selbst. Eine Niederdruckdampfheizung war mit einer mechanischen Lüftungsanlage verbunden, die erwärmte Frischluft mittels elektrisch betriebener Ventilatoren in die Unterrichtsräume führte. Der zunächst zurückgestellte Bau einer Direktorwohnung wurde nicht dauerhaft aufgegeben. 1912 beschlossen die städtischen Körperschaften die Errichtung eines gesonderten Direktorwohnhauses auf dem Schulgrundstück, das zu Ostern 1913 bezogen werden konnte. Der hohe Ausstattungsgrad entspricht der Phase um 1910, in der viele Städte in repräsentative und technisch fortschrittliche Schulgebäude investierten – ein Ausdruck des Bildungsoptimismus vor dem Ersten Weltkrieg.

Eingangshalle des Friedrich-Gymnasiums 1910

 Physikraum (heute Musikraum)

Die technische Modernität war Teil des pädagogischen Konzepts. In der Einweihungsrede wurde ausdrücklich hervorgehoben, dass die Schüler am Experimentiertisch, an der Werkzeugbank, in der Dunkelkammer und am Fernrohr der Sternwarte arbeiten sollten. Naturwissenschaftliche Erkenntnis sollte aus praktischer Anschauung entstehen. Turnhalle, Spiel- und Tennisflächen ergänzten diesen Anspruch um körperliche Erziehung.

Die Fassade und der Bau selbst waren Ausdruck des Selbstverständnisses der Schule. Über dem Eingang prangten die noch heute sichtbaren Inschriften „Durch Bildung zur Freiheit“ und „Ihr seid das Saatkorn einer neuen Zeit“. Der Haupteingang ist bis heute von den Reliefs der Dichter Goethe und Schiller gerahmt, und in der Aula dominierte ein farbiges Glasfenster mit der Darstellung Friedrichs des Großen, das die Verbindung von Bildung und preußischem Patriotismus symbolisieren sollte. Die Aula besaß eine Grundfläche von rund 260 Quadratmetern, war 20,81 Meter lang, 12,49 Meter breit und 8,85 Meter hoch. Das große Glasgemälde zeigte Friedrich II. ausdrücklich auch in seiner Funktion als historisch erinnerter Förderer der Luckenwalder Textilindustrie. Solche ikonografischen Programme sind typisch für wilhelminische Schularchitektur. Sie verbanden nationale Identitätsstiftung, klassische Bildungsideale und die Erziehung zu monarchischer Loyalität.

Aula mit Apsis und Bühne (1910)

Türen der Aula mit Ornamenten verziert (1910)

Die programmatische Deutung Friedrichs des Großen und der Portalinschrift „Durch Bildung zur Freiheit“ erfolgte bei der Einweihung vor allem in der Ansprache Bürgermeister Schmidts. Dabei war mit Freiheit ausdrücklich nicht eine schrankenlose individuelle Freiheit gemeint. Schmidt verstand sie als sittliche Freiheit, die sich im freiwilligen Entschluss zum Guten und in der Unterordnung unter das Gesetz als gottgegebene Ordnung verwirkliche. Unmittelbar daran schloss er die Erinnerung an Friedrich den Großen, die Vaterlandsliebe und die Loyalität zu Kaiser und Reich an. Der Festakt endete mit einem Hoch auf Wilhelm II. und dem Gesang der Nationalhymne. Der Freiheitsbegriff des Gebäudes war damit von Beginn an in die religiös-monarchische Ordnungsvorstellung seiner Entstehungszeit eingebettet.

Gleichzeitig wäre es zu eng, den Neubau ausschließlich als Monument monarchischer Erziehung zu verstehen. Die Architektur verband Goethe und Schiller, Naturwissenschaften und Technik, körperliche Erziehung, Musik und Festkultur mit preußischer Staatssymbolik. Gerade diese Gleichzeitigkeit von technischer Modernität, allgemeinem Bildungsanspruch und politisch-konservativer Werteordnung kennzeichnete das Selbstverständnis der Schule um 1910.

Tatsächlich war der Name „Friedrichsschule“ bereits im Schuljahr 1908/09 offiziell genehmigt worden – zur Ehrung Friedrichs II., dem Luckenwalde seinen Aufstieg zur Industriestadt verdankte. Die Benennung verband lokalpatriotische, wirtschaftliche und pädagogische Motive. Namensgebungen nach historischen Herrschern dienten im Kaiserreich der symbolischen Verankerung der Schule in der nationalen Geschichtserzählung.

Das Gebäude selbst wurde von den Rednern als „sichtbares Zeugnis“ kommunaler Bildungsbereitschaft gedeutet. Die Investition in ein modernes Schulhaus sei nicht nur ein materieller, sondern auch ein geistiger Akt – Ausdruck des Glaubens an die Kraft der Bildung zur Stärkung der Stadt und der Nation. Bis heute beherbergt das 1910 bezogene Gebäude das Friedrich-Gymnasium Luckenwalde – ein seltenes Beispiel für die langfristige Kontinuität eines Schulstandorts in Brandenburg. Die Feier endete mit Hochrufen auf Kaiser und Reich sowie dem Singen der Nationalhymne – ein deutliches Zeichen der monarchischen Loyalität und patriotischen Verankerung der Anstalt. Am Nachmittag schloss sich im Schützenhaus ein Festmahl mit mehr als 100 Teilnehmern an. Auch dort verbanden die Ansprachen die Schule mit Kaiser, Stadt, Lehrerkollegium, Eltern und ehemaligen Schülern. Die Friedrichsschule wurde damit zugleich als staatlich geprägte Bildungsanstalt und als gemeinsames Projekt der Luckenwalder Stadtgesellschaft inszeniert.

Vom Reformrealprogymnasium zur Vollanstalt (1910–1914)

Der Neubau von 1910 war nicht der Abschluss der Entwicklung. Er schuf vielmehr die räumliche Grundlage dafür, den bereits 1906 begonnenen institutionellen Ausbau Jahrgang um Jahrgang fortzusetzen. Im Schuljahr 1910/11 wurden die beiden Obertertien eröffnet. Zu Beginn des Sommerhalbjahres besuchten 205 Schüler die Hauptanstalt und 122 die Vorschule.

Ostern 1911 folgte die Untersekunda. Damit ging das bisherige Realprogymnasium formal ein und an seine Stelle trat ein Reformrealprogymnasium, das weiter zur Vollanstalt ausgebaut werden sollte. Parallel dazu erhielt auch die angegliederte Realschule ihre Untersekunda. Nach einer umfassenden Revision und der ersten Schlussprüfung wurde sie vom Unterrichtsminister als abgeschlossene Realschule anerkannt.

1912/13 wurde mit der Obersekunda die nächste Stufe eröffnet. Zu Beginn dieses Schuljahres zählte die Hauptanstalt bereits 248 Schüler, die Vorschule weitere 112. Gegenüber den nur 79 Schülern der Hauptanstalt im Februar 1906 war dies eine fundamentale Veränderung. Aus der zuvor in ihrer Existenz gefährdeten Schule war innerhalb weniger Jahre eine stark wachsende höhere Lehranstalt geworden.

Im Schuljahr 1913/14 kam die Unterprima hinzu. Der Neubau erlangte inzwischen auch über Luckenwalde hinaus Aufmerksamkeit. Kommissionen des Oldenburger Staatsministeriums und Oberschulkollegiums sowie der Stadt Forst besichtigten die Schule. Die räumliche Gliederung und die Unterrichtseinrichtungen fanden nach dem Jahresbericht allgemeinen Beifall.

Im Schuljahr 1914/15 bestand schließlich auch die Oberprima. Damit war der neunstufige Aufbau des Realgymnasiums vollzogen. Den formalen Abschluss brachte ein Ministerialerlass vom 27. November 1914, mit dem das Realgymnasium als Vollanstalt anerkannt wurde. Direktor Vogel konnte bei seinem Abschied Anfang 1915 deshalb feststellen, dass der unter seiner Leitung begonnene „Aus- und Aufbau“ seinen Abschluss gefunden habe. Bei seinem Amtsantritt 1905 hatte die Schule sechs Klassen, eine zweiklassige Vorschule und insgesamt 98 Schüler umfasst. Bei seinem Ausscheiden waren es 13 Klassen, eine dreiklassige Vorschule und insgesamt 345 Schüler.

Damit lässt sich die Entwicklung von 1906 bis 1914 genauer als mehrjähriger Transformationsprozess beschreiben: auf die Reformentscheidung 1906 folgten die regulären Reformklassen 1907, die Namensgebung als Friedrichsschule 1908/09, der Neubau 1910, die Untersekunda 1911, die Obersekunda 1912, die Unterprima 1913 und schließlich Oberprima und Anerkennung als Vollanstalt 1914. Pädagogische Reform, quantitative Expansion, bauliche Modernisierung und institutioneller Aufstieg verliefen parallel.

                                                               Hauptansicht (1910)

Westansicht (1910)                                           

Ostansicht (1910)

Soziale Ordnung, Unterstützung und Öffnung zur Stadt

Trotz dieses Aufstiegs blieb die höhere Schule sozial selektiv. Noch 1913 betrug das jährliche Schulgeld in den unteren und mittleren Klassen 130 Mark, in den Oberklassen 150 Mark und in der Vorschule 80 Mark. Aufnahmeprüfung und Schulgeld bildeten weiterhin deutliche Zugangsschwellen.

Gleichzeitig entwickelte die Friedrichsschule ein zunehmend ausgebautes Unterstützungssystem. 1910/11 erhielten 16 Schüler eine halbe und vier Schüler eine vollständige Freistelle. 1911/12 waren es 19 halbe und fünf ganze Freistellen. 1913/14 erhielten bereits 26 Schüler eine halbe und sechs eine vollständige Befreiung vom Schulgeld. Zusätzlich bestand eine Unterstützungskasse, aus der Lehrmittel für unbemittelte Schüler finanziert wurden. Die soziale Exklusivität wurde dadurch nicht aufgehoben, aber teilweise abgefedert.

Die Aula entwickelte sich zugleich zu einem kulturellen Raum über den engeren Unterricht hinaus. Öffentliche Vorträge behandelten literarische, historische und naturwissenschaftliche Themen. Konzerte, Theateraufführungen und Lichtbildvorträge ergänzten das Programm. Einnahmen aus solchen Veranstaltungen dienten der Unterstützung von Schülern und der Ausstattung der Schule. Damit öffnete sich die Anstalt stärker zur Stadtgesellschaft.

Auch Formen begrenzter Schülerselbsttätigkeit entstanden. 1912/13 durften Schüler der beiden Sekunden einen eigenen Turnverein bilden. Direktor und Turnlehrer führten die Oberaufsicht, Leitung und Verwaltung lagen ansonsten in den Händen der Schüler. Innerhalb einer weiterhin streng hierarchisch organisierten Schule bestand damit zumindest in einzelnen Bereichen Raum für eigenständige Verantwortung.

Das fünfzigjährige Jubiläum 1913 – Selbstbild einer höheren Schule

Einen Höhepunkt dieser Entwicklung bildete das fünfzigjährige Jubiläum im September 1913. Die Feier wurde bewusst nicht am eigentlichen Gründungstermin im Frühjahr durchgeführt. Unter anderem wurde berücksichtigt, dass die ehemaligen Schüler mehrheitlich kaufmännische oder technische Berufe ausübten und im September leichter anreisen konnten. Diese Begründung ist aufschlussreich. Sie zeigt, dass die Friedrichsschule keineswegs nur auf akademische Laufbahnen ausgerichtet war, sondern tief in das kaufmännische, technische und gewerbliche Milieu der Stadt hineinwirkte.

Das Jubiläum erstreckte sich vom 14. bis 16. September 1913 über drei Tage. Vorgesehen waren Begrüßungsreden und Schüleraufführungen, ein Stadtgang und eine Zeichenausstellung, ein Festakt in der Aula, Festessen und Konzert sowie ein eigener Schülertag mit Gesang, Turnvorführungen und Spielen. Die städtischen Körperschaften stellten dafür 500 Mark bereit. Das Jubiläum war somit nicht nur eine interne Schulfeier, sondern ein öffentliches Fest von Schule, ehemaligen Schülern und Bürgerschaft.

Ehemalige Schüler sammelten anlässlich des Jubiläums zudem 2.049,63 Mark für eine eigene Stiftung. Deren Kapital sollte unangetastet bleiben, während die Erträge für Schulzwecke verwendet werden konnten. Dem Kuratorium gehörten ehemalige Schüler, der jeweilige Direktor und der Erste Bürgermeister an. Damit hatte sich fünfzig Jahre nach der Gründung ein dauerhaftes Netzwerk zwischen Schule, Stadt und ehemaligen Schülern herausgebildet.

Die Festreden zeigen zugleich, welchen Bildungsanspruch die Friedrichsschule inzwischen für sich reklamierte. Provinzialschulrat Doblin verband Entstehung und Wachstum der Schule ausdrücklich mit der „Kulturentwicklung“ Luckenwaldes. Die städtischen Körperschaften hätten erhebliche Mittel eingesetzt, um ihren Schülern den Zugang zu höheren gesellschaftlichen Stellungen zu eröffnen. Die Lehrer sollten aus ihnen Staatsbürger bilden, die später zum Gemeinwohl wirkten.

Gleichzeitig wies die Schule die Vorstellung zurück, ein Realgymnasium diene lediglich der unmittelbaren Berufsvorbereitung. Gerade weil es eine höhere Schule und keine Fachschule sei, müsse es ohne Rücksicht auf einen bestimmten späteren Beruf eine „harmonische Ausbildung aller Geisteskräfte“ vermitteln und die Schüler befähigen, „die Welt, nicht nur das Fach“ zu verstehen. Damit beanspruchte auch das moderne Realgymnasium ausdrücklich einen humanistischen Bildungsauftrag. Humanismus wurde nicht mehr ausschließlich an Griechisch und intensivem Lateinunterricht festgemacht, sondern ebenso in deutscher, französischer und englischer Literatur, Kunst und moderner Wissenschaft gesucht.

Diese Vorstellung einer modernen Realbildung war eng mit der Wirtschaftsstruktur Luckenwaldes verbunden. Bürgermeister Mannkopff charakterisierte die Stadt 1913 durch ihre „hochangesehenen Industrien“, ihre kaufmännische Tätigkeit und ihr Handwerk und leitete gerade daraus die Notwendigkeit einer gleichberechtigten höheren Realanstalt ab. Die Schule sollte also auf eine moderne Gesellschaft reagieren, ohne ihren Anspruch auf umfassende Allgemeinbildung preiszugeben.

Daneben blieb die politische und religiöse Erziehung deutlich ausgeprägt. Jubiläumsreden bezeichneten Gottesfurcht und Vaterlandsliebe ausdrücklich als Grundlagen des schulischen Wirkens. Im selben Schuljahr wurden unter anderem die Erinnerung an die Völkerschlacht bei Leipzig, das Reformationsfest und der Geburtstag des Kaisers begangen. Die Festrede zum Kaisergeburtstag beschäftigte sich mit dem „Nationalgefühl bei unsern Klassikern“. Patriotische Feiern gehörten nicht nur 1913, sondern über Jahre hinweg fest zum Schulleben.

Die kulturelle Praxis war dennoch breiter. Neben patriotischen Vorträgen über die deutsche Hanse oder die „deutsche Ostmark“ fanden Konzerte, naturwissenschaftliche Veranstaltungen, Theateraufführungen und ein Vortrag eines französischen Phonetikers statt. Das Schulleben verband somit Nationalerziehung mit Wissenschaft, Fremdsprachenpflege, Musik, Theater und Sport.

Prestige, Patriotismus und Bildungswandel – Die Friedrichsschule im Kaiserreich

Die Entwicklung der Friedrichsschule zwischen 1863 und 1914 reicht von der späten preußischen Vorkaiserzeit über die Reichsgründung von 1871 bis an die Schwelle des Ersten Weltkriegs. Sie steht exemplarisch für eine Bildungsdynamik, in der kommunaler Gestaltungswille, staatliche Schulpolitik und gesellschaftliche Modernisierung eng ineinandergriffen. Der Aufbau vom Progymnasium zur vollwertigen höheren Schule folgte einem im preußischen Bildungswesen häufig anzutreffenden Stufenmodell, bei dem lokale Initiativen nur im Rahmen zentralstaatlicher Vorgaben realisiert werden konnten. Die Genehmigungsauflagen – insbesondere die Festlegung eines gymnasialen Lehrplans mit reduzierten Lateinstunden – spiegeln den bildungspolitischen Konflikt zwischen humanistisch-klassischer Tradition und einer stärker auf moderne Fremdsprachen und Naturwissenschaften ausgerichteten Curriculumsstruktur.

Die Finanzierung des Schulbetriebs und die Errichtung repräsentativer Bauten veranschaulichen den Stellenwert höherer Bildung als kommunales Prestigeprojekt. Wie in vielen prosperierenden Städten wurde der Ausbau der höheren Schule nicht nur als Investition in die Ausbildung der Jugend, sondern auch als Instrument zur wirtschaftlichen Standortaufwertung und bürgerlichen Selbstvergewisserung verstanden. Die Baupolitik – kulminierend im Neubau von 1910 – verband funktionale Modernität mit symbolischer Aufladung.

Der pädagogische Bildungsbegriff lässt sich dagegen nicht hinreichend als bloß „staatsdienend“ beschreiben. Er verband mehrere Elemente miteinander: religiös-moralische Erziehung, Pflichterfüllung, die Ausbildung verantwortlicher Staatsbürger, monarchisch-nationale Loyalität, Heimatbindung und zugleich den Anspruch auf eine umfassende allgemeine und humanistische Bildung. Moderne Fremdsprachen, Mathematik, Naturwissenschaften, technische Anschauung, Literatur, Kunst, Musik und körperliche Erziehung gehörten ebenso zu diesem Konzept. Gerade das Reformrealgymnasium verstand sich ausdrücklich nicht als Fach- oder Berufsschule.

Auch die soziale Struktur war differenzierter, als die bloße Schulgeldpflicht vermuten lässt. Aufnahmeprüfungen und erhebliche Gebühren begrenzten den Zugang deutlich. Gleichzeitig entstanden Freistellen, Unterstützungsfonds und Stiftungen, durch die begabte Schüler finanziell entlastet werden konnten. Von einer sozial offenen höheren Schule im heutigen Sinne kann nicht gesprochen werden. Wohl aber entwickelte sich parallel zum Wachstum der Anstalt ein bemerkenswertes System kommunaler und privater Förderung.

Besonders deutlich verdichteten sich die Widersprüche und Möglichkeiten dieser Epoche im Neubau von 1910. Sternwarte, Laboratorium, eigene Stromerzeugung, photographische Dunkelkammer, mechanische Lüftung und ein reformierter Fremdsprachenunterricht standen neben Friedrich dem Großen, Kaiserhoch und Nationalhymne. Über dem Eingang stand zugleich „Durch Bildung zur Freiheit“. Technische und didaktische Modernität gingen also mit religiösen, monarchischen und nationalen Ordnungsvorstellungen einher. Für die Zeitgenossen bestand darin kein Widerspruch.

Zwischen dem Tiefpunkt von nur 79 Schülern der Hauptanstalt im Jahr 1906 und der Anerkennung als Vollanstalt 1914 liegen lediglich acht Jahre. In ihnen vollzog sich der entscheidende Aufstieg der Friedrichsschule. Aus einem gefährdeten Realprogymnasium wurde ein vollständiges Reformrealgymnasium mit Realschule und Vorschule, einem weit über die Stadt hinaus beachteten Neubau und einer stark gewachsenen Schülerschaft. Der Ministerialerlass vom 27. November 1914 schloss diesen jahrzehntelangen institutionellen Aufbau formal ab.

Gerade zu diesem Zeitpunkt endete jedoch zugleich die Epoche, die diesen Aufstieg ermöglicht hatte. Der Erste Weltkrieg war bereits ausgebrochen und griff tief in das Schulleben ein. Die Anerkennung als Vollanstalt im November 1914 bildet deshalb nicht nur den Endpunkt einer seit 1863 betriebenen Aufbaugeschichte, sondern zugleich die Schwelle zu einer völlig neuen Phase der Schulgeschichte.

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