Die Friedrichsschule im Ersten Weltkrieg – Bildung unter den Bedingungen des totalen Krieges
Kriegsbeginn und Mobilisierung von Schülern und Lehrkräften (1914–1915)
Als die Friedrichsschule in Luckenwalde im September 1913 ihr fünfzigjähriges Bestehen feierte, befand sich das Deutsche Kaiserreich in einer Phase äußerer Stabilität und Selbstgewissheit. Diese Haltung tritt bereits in den zeitgenössischen Festreden deutlich hervor. Provinzialschulrat Doblin bezeichnete das Deutsche Reich als eine „von innen und außen gefestigte Weltmacht“ und erklärte „Gottesfurcht und Vaterlandsliebe“ zu Grundlagen wahrer Bildung. Bürgermeister Mannkopff verband das Schuljubiläum ausdrücklich mit dem hundertjährigen Gedenken an die Befreiungskriege von 1813, dem Regierungsjubiläum Wilhelms II. und der monarchischen Tradition Preußens. Der Krieg traf die Schule damit in einem Bildungs- und Wertehorizont, in dem Vaterland, Monarchie, Pflicht und nationale Geschichte einen hohen Stellenwert besaßen.
Wie scharf der Einschnitt wahrgenommen wurde, zeigt bereits die zeitgenössische Abschiedsrede Direktor Vogels Ende 1914. Noch wenige Monate zuvor, so Vogel, habe man „des Friedens“ genießen und ungestört arbeiten können. Den Kriegsausbruch deutete er dagegen in der zeittypischen Sprache als einen von außen aufgezwungenen „Weltbrand“. Die freiwillig in den Krieg ziehenden Friedrichsschüler beschrieb er als junge Männer, die bereit seien, „ihr Leben dem Vaterlande zu opfern“. Damit lässt sich die patriotische Mobilisierung nicht nur aus der späteren Festschrift von 1938 rekonstruieren, sondern unmittelbar aus einer während des Krieges gehaltenen Rede.
Noch bevor die erste Reifeprüfung planmäßig 1915 stattfinden konnte, wurden die ältesten Schüler durch den Krieg aus dem regulären Schulleben gerissen. Alle acht Oberprimaner legten am 7. beziehungsweise 10. August 1914 eine Notreifeprüfung ab und traten anschließend in das Heer ein. Von den 15 Unterprimanern wurden acht für den Heeresdienst als tauglich befunden. Hinzu kamen zwei Obersekundaner. Damit verließen bereits unmittelbar nach Kriegsbeginn insgesamt 18 Friedrichsschüler die Schule in Richtung Militärdienst.
Die Notreife blieb kein auf den August 1914 beschränktes Verfahren. Im Schuljahr 1915/16 sind weitere Prüfungen am 3. Juni, 23. August und 29. Dezember nachweisbar. Ministerielle Regelungen öffneten das Verfahren auch für frühere Schüler, die bereits im Heeresdienst standen. Als 1916 im Zusammenhang mit dem Hindenburgprogramm der Vaterländische Hilfsdienst ausgeweitet wurde, konnten nach der späteren Schulchronik sogar Schüler, die vom Kriegswirtschaftsamt namentlich angefordert wurden, eine Notreifeprüfung ablegen. Noch am 14. Mai 1919 erhielt ein Friedrichsschüler eine sogenannte „Kriegsreife“.
Die Prüfungen dienten dabei nicht einfach der „sofortigen Meldung als Freiwillige“. Präziser ist, dass sie den vorzeitig ausscheidenden Schülern unter den Bedingungen des Krieges einen schulischen Abschluss beziehungsweise eine anerkannte Reifestufe ermöglichten und dadurch einen frühzeitigen Übergang in Militär- oder Hilfsdienst erleichterten.
Zwei besonders eindrückliche Einzelfälle verdeutlichen die Stimmung dieser Zeit. Sie sind allerdings in dieser Ausführlichkeit erst in der Festschrift von 1938 überliefert, die sie ausdrücklich als Belege für die „glühende Begeisterung“ der Kriegsjahre präsentiert. Diese wertende Rahmung ist erkennbar zeitgebunden. Der zugrunde liegende zweite Fall stützt sich nach eigener Angabe der Festschrift jedoch auf einen Bericht des damaligen Direktors vom 12. November 1914.
Ein kaum fünfzehnjähriger Obersekundaner fuhr heimlich nach Wittenberg, um sich zum Militärdienst zu melden, und wurde wegen seiner Größe und körperlichen Stärke zunächst als Freiwilliger angenommen. Erst die persönliche Intervention seiner verwitweten Mutter führte wenige Tage später zu seiner Zurückstellung. Nach der regulären Reifeprüfung Ostern 1917 diente er nach Darstellung der Festschrift noch anderthalb Jahre als Soldat. Der zweite Fall betraf den Schulamtskandidaten Friedrich Meyer. Obwohl der Direktor ihm erklärte, dass er an der Friedrichsschule dringend benötigt werde und vor einer Meldung zunächst die Genehmigung der vorgesetzten Behörde einholen müsse, kündigte Meyer an, aus „innerer Überzeugung“ auch ohne Urlaub die Schule verlassen und seinen Lehrerberuf gegen den aus seiner Sicht nun wichtigeren Soldatenberuf eintauschen zu wollen.
Gerade diese Quelle zeigt, dass der Kriegsdienst nicht lediglich von außen an die Schule herangetragen wurde. Zumindest bei einem Teil der Schüler und jungen Lehrkräfte wirkten persönliche patriotische Überzeugungen als eigenständige Triebkraft. Zugleich sollte die spätere nationalistische Stilisierung solcher Entscheidungen nicht mit der historischen Erfahrung aller Beteiligten gleichgesetzt werden.
Lehrkräfte standen ebenfalls unter dem unmittelbaren Einfluss der Mobilisierung. Allein zwischen Anfang August 1914 und Anfang Februar 1915 gingen nach der späteren Schulchronik acht Lehrer zum Militär, mehrere von ihnen als Kriegsfreiwillige. Der zeitgenössische Jahresbericht nennt unmittelbar nach Kriegsbeginn die Einberufung der Oberlehrer Täger, Ködding, Dr. Wesenberg und Dr. Venzlaff sowie des Kandidaten Dr. Hofmann. Oberlehrer Reich meldete sich freiwillig, kehrte allerdings bereits am 8. September 1914 zurück.
Die personelle Unruhe war erheblich. Im Schuljahr 1914/15 mussten aufgrund der fortlaufenden Veränderungen im Kollegium nicht weniger als acht verschiedene Stundenpläne in Kraft gesetzt werden.
Die pädagogische Kontinuität konnte nur durch pensionierte Lehrkräfte, Aushilfen und Frauen als Vertretungen aufrechterhalten werden. Der bereits pensionierte Professor Niemir stellte sich der Schule freiwillig zur Verfügung. Nach der späteren Festschrift tat er dies ohne Entschädigung. Außerdem half zeitweise Dr. Lengacker von der Luisenschule aus. Bereits am 8. Januar 1915 trat mit Fräulein Linde eine geprüfte Lehrerin in das Kollegium ein.
Im Schuljahr 1915/16 standen zeitweise fünf Oberlehrer, zwei Kandidaten des höheren Lehramts, ein Zeichenlehrer und ein Vorschullehrer im Heeresdienst. Ihnen standen lediglich vier neu hinzugekommene Ersatzkräfte gegenüber, darunter zwei Lehrerinnen. Zwischen Anfang 1915 und Ende 1918 waren nach der späteren Festschrift insgesamt acht Frauen an der Friedrichsschule beschäftigt, zeitweise drei gleichzeitig. Der Einsatz von Lehrerinnen war an einer höheren Knabenschule so ungewöhnlich, dass die Festschrift selbst ausdrücklich darauf hinweist.

Todesanzeigen von Artur Münnich und Walter Urbig 1914.

Die 1914 gefallenen Schüler Artur Münnich (l.) und Walter Urbig (r.).
Zwei besonders eindrückliche Einzelfälle verdeutlichen die Stimmung dieser Zeit. Ein kaum fünfzehnjähriger Obersekundaner fuhr heimlich zur Meldestelle und wurde, weil er groß und kräftig war, als Freiwilliger angenommen. Erst die persönliche Intervention seiner Mutter führte zu seiner Rückstellung. Später legte er 1917 regulär die Reifeprüfung ab und zog erneut in den Krieg. Ebenso verließ ein junger Lehrer die Schule trotz ausdrücklicher Bitte des Direktors, zu bleiben, aus innerer Überzeugung ohne behördliche Genehmigung, um in den Kriegsdienst einzutreten. Solche individuellen Geschichten stehen exemplarisch für die Durchdringung der Gesellschaft mit nationalen Pflichtvorstellungen, die im wilhelminischen Bildungssystem fest verankert waren.
Lehrkräfte standen ebenfalls unter Druck, ihre pädagogische Aufgabe zugunsten des Kriegsdienstes zurückzustellen. In kurzer Zeit traten zahlreiche Lehrer in den Militärdienst ein. Die pädagogische Kontinuität konnte nur durch pensionierte Lehrkräfte, die sogar ohne Entgelt unterrichteten, durch Aushilfen und sogar Frauen als Vertretungen aufrechterhalten werden – ein für damalige Knabenschulen ungewöhnlicher Schritt, der den Ausnahmecharakter der Zeit deutlich macht. Zwischen 1915 und 1918 waren zeitweise bis zu drei Lehrerinnen gleichzeitig an der Friedrichsschule tätig. Der Einsatz weiblicher Lehrkräfte an höheren Knabenschulen während des Krieges war ein gesamtdeutsches Phänomen und ein Bruch mit traditionellen Geschlechterrollen im Bildungswesen – auch wenn er meist als zeitweilige Notmaßnahme verstanden wurde.
Unterrichtsalltag, organisatorische Anpassungen und materielle Not (1915–1918)
Die Leitung der Schule wechselte inmitten dieser unruhigen Zeit. Direktor Dr. Ernst Vogel verließ die Friedrichsschule zum 1. Januar 1915, nachdem er als Provinzialschulrat nach Magdeburg berufen worden war. Bis zum Amtsantritt seines Nachfolgers wurde die Schule vom dienstältesten Oberlehrer geführt. Dr. Wilhelm Anderson trat sein Amt am 1. April 1915 an. Die feierliche Einführung fand am 8. April in der Aula statt.
Der Krieg griff tief in die Unterrichtsorganisation ein, ohne den regulären Schulbetrieb vollständig zu verdrängen. Klassen konnten zusammengelegt und Stundenzahlen verringert werden. Von dieser Möglichkeit wurde tatsächlich Gebrauch gemacht. Ober- und Unterprima mussten schließlich bis Ostern 1920 in sämtlichen Fächern gemeinsam unterrichtet werden. Gleichzeitig fanden weiterhin reguläre Prüfungen, Unterricht, Klassenausflüge sowie musikalische und sportliche Aktivitäten statt. Die Friedrichsschule bewegte sich daher zwischen fortgesetztem Bildungsbetrieb und immer stärkeren kriegsbedingten Eingriffen.
Besonders deutlich war die ideologische Einbindung des Schulalltags. Bereits 1914/15 wurden militärische Erfolge durch Unterrichtsausfall und Schulfeiern begangen. Der Jahresbericht nennt unter anderem die vermeintlichen Siege bei Metz und St. Quentin, die Einnahme von Maubeuge sowie die Kämpfe in Polen und an den Masurischen Seen. Der Sedantag und der Geburtstag Wilhelms II. wurden ebenfalls mit Ausflügen, Ansprachen, Deklamationen und Chorgesang gefeiert.
Auch im folgenden Schuljahr führten militärische Ereignisse mehrfach zu kurzen Feiern und Unterrichtsausfall. Der Jahresbericht verzeichnet unter anderem Feiern anlässlich der Kämpfe in den Karpaten, der Einnahme von Przemyśl, Lemberg, Kowno und Brest-Litowsk sowie der Niederlage Montenegros. Damit war der Krieg nicht lediglich eine äußere Störung des Unterrichts, sondern wurde regelmäßig zum Gegenstand des schulischen Gemeinschaftslebens.
Schüler wurden zunehmend in Arbeits- und Unterstützungsdienste eingebunden. Bereits 1915/16 sammelten sie unter anderem 435 Kilogramm Gummi und große Mengen Metall, brachten rund 13.000 Mark Goldgeld zum Umtausch, schickten Bücher an die Front und sammelten Geld für Kriegerkinder. Sie beteiligten sich an der Nagelung des Eisernen Kreuzes, sangen und musizierten in den Luckenwalder Reservelazaretten und zeichneten allein für die dritte Kriegsanleihe 18.700 Mark. Ein Schülerkonzert zugunsten der Hinterbliebenen Gefallener erbrachte weitere Einnahmen.
Die Einbeziehung intensivierte sich im weiteren Kriegsverlauf. Nach der späteren Schulchronik wurden Schüler für Volks-, Vieh- und Wohnungszählungen sowie zur Erfassung von Kartoffel- und Kohlenbeständen herangezogen. Im Sommer 1918 zogen aus mehreren Klassen zusammengesetzte Gruppen unter Leitung von Lehrern wochenlang in die Umgebung, um Laubheu und Brennnesseln zu sammeln.
Auch die Ferienordnung wurde den Erfordernissen des Krieges angepasst. 1915 wurden die Sommerferien von Mitte Juli bis Mitte August gelegt, damit die Jungen bei den Erntearbeiten eingesetzt werden konnten. Nach Darstellung der späteren Festschrift wurde diese Maßnahme in den folgenden Jahren nicht erneut erforderlich, weil inzwischen in größerem Umfang Kriegsgefangene, insbesondere russische Gefangene, für landwirtschaftliche Arbeiten eingesetzt wurden.
Die materiellen Kriegsfolgen verschärften die Situation zusätzlich. Vom 10. bis 17. Februar 1917 musste der Unterricht wegen Kohlenmangels vollständig ausfallen. Daneben waren ausreichende Ernährung und beheizte Räume zunehmend problematisch. Die spätere Schulchronik beschreibt ausdrücklich, dass mengenmäßig und qualitativ unzureichende Nahrung sowie der Mangel an Fett und Wärme die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigten.
Eine wichtige Korrektur betrifft die frühe Unterrichtszeit. Der Unterricht begann seit dem Sommer 1916 tatsächlich bereits um 6.15 Uhr morgens. Anlass war jedoch nicht die Einsparung von Heizmaterial, sondern von Beleuchtungsmitteln. Dafür wurde eine besondere „Sommerzeit“ angeordnet und der Schulbeginn um eine Stunde vorverlegt. Die Schulchronik merkt kritisch an, dass viele Schüler deshalb unausgeschlafen zum Unterricht erschienen.
1918 musste die Schule aufgrund der Grippeepidemie zehn Tage lang schließen. Die Festschrift stellt diesen außergewöhnlich starken Krankheitsausbruch ausdrücklich in Zusammenhang mit der allgemeinen Schwächung durch unzureichende Ernährung und die kriegsbedingten Lebensbedingungen.
Unterrichtsausfall, verminderte Stundenzahlen, Lehrermangel, unzureichende Ernährung, Kälte und Schlafmangel führten nach dem Urteil der späteren Schulchronik zu einer verminderten geistigen Aufnahme- und Leistungsfähigkeit. Bemerkenswert ist, dass dieselbe Quelle zugleich feststellt, die schulischen Leistungen hätten sich dennoch im Allgemeinen „auf einer gewissen Höhe“ gehalten. Das Bild eines bloßen Minimalbetriebs wäre deshalb zu undifferenziert.
Verlustbilanz und Erinnerungskultur
Die Verluste setzten bereits wenige Monate nach Kriegsbeginn ein. Der Jahresbericht 1914/15 beginnt mit einem eigenen Totengedenken für Oberlehrer Karl Ködding sowie die Schüler Arthur Münnich, Herbert Krüger und Walter Urbig. Ködding starb am 16. November 1914 nach Verwundung in einem Brüsseler Lazarett. Münnich, Krüger und Urbig waren bereits Anfang beziehungsweise Mitte November gefallen.
Der nächste Jahresbericht führte die Todesliste unmittelbar fort und erinnerte auf einer eigenen Seite an die Oberprimaner Willy Gerhardt und Günther Große. Eine später im Schulgebäude angebrachte Gedenktafel erinnerte an zwei gefallene Lehrer und 14 Schüler. Schon die Festschrift von 1938 weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass diese Liste „sehr unvollständig“ sei. Erfasst worden waren im Wesentlichen nur diejenigen Gefallenen, die bei Kriegsbeginn den drei obersten Klassen angehört hatten. Schüler, die erst während des Krieges militärdienstfähig wurden oder die Schule bereits vor August 1914 verlassen hatten, fehlten. Selbst eine später zusammengestellte erheblich umfangreichere Liste betrachtete der Verfasser noch als unvollständig.

Besonders aufschlussreich ist die Sprache der zeitgenössischen Erinnerung. Im Jahresbericht 1914/15 heißt es über Münnich, Urbig und Krüger, sie seien „den Tod fürs Vaterland“ gestorben und würden der Jugend „für immer ein leuchtendes Vorbild“ bleiben. Am 21. und 28. November 1914 fanden zu ihrem Gedenken Feiern in der Aula statt. Die schulische Erinnerung beschränkte sich damit nicht auf die Registrierung von Verlusten. Sie deutete den Tod der Gefallenen ausdrücklich als Opfer für das Vaterland und verband ihn mit einem erzieherischen Vorbildanspruch.
Dieser Befund ist für die Erinnerungskultur der Friedrichsschule aussagekräftiger als die pauschale Feststellung, Gedenktafeln hätten „der Heroisierung“ gedient. Die Heroisierung lässt sich hier unmittelbar in der Sprache der Schule nachweisen. Sie ist keine nachträgliche Zuschreibung.
Zugleich macht der Blick auf individuelle Fälle und organisatorische Improvisationen deutlich, dass die Friedrichsschule versuchte, ihren Bildungsauftrag unter diesen Bedingungen nicht völlig preiszugeben. Der Krieg veränderte diesen Bildungsauftrag allerdings erheblich. Neben Unterricht und Prüfungen traten zunehmend patriotische Feiern, Notreifeprüfungen, Sammlungen, Kriegsanleihen, Lazarettveranstaltungen und Arbeitsdienste. Schule und gesellschaftliche Kriegsanstrengung gingen damit immer stärkere Verbindungen ein.
„Schule im Ausnahmezustand – Die Friedrichsschule im Ersten Weltkrieg“
Die Jahre 1914 bis 1918 markieren für die Friedrichsschule eine Phase, in der der Bildungsauftrag in immer stärkerem Maße unter den Bedingungen des Krieges stand. Wie unmittelbar die Mobilisierung in die Schule eingriff, zeigt bereits der August 1914. Acht Oberprimaner legten innerhalb weniger Tage die Notreifeprüfung ab, acht Unterprimaner und zwei Obersekundaner gingen ebenfalls zum Militär. Gleichzeitig wurde ein erheblicher Teil des Kollegiums eingezogen. Schon im ersten Kriegsjahr waren aufgrund der personellen Veränderungen acht verschiedene Stundenpläne erforderlich.
Der zeitweilige Einsatz von Lehrerinnen an einer Knabenschule stellte eine für die damalige Schulform außergewöhnliche Personalmaßnahme dar. Insgesamt acht Frauen waren zwischen 1915 und 1918 zeitweise an der Friedrichsschule tätig. Hinzu kamen pensionierte Lehrer und andere Hilfskräfte. Dennoch blieb der Personalmangel so erheblich, dass Klassen zusammengelegt, Stundenzahlen reduziert und die beiden Primastufen schließlich gemeinsam unterrichtet werden mussten.
Gleichzeitig wäre es zu weitgehend, von einer vollständigen Auflösung des regulären Bildungsbetriebs zu sprechen. Der Unterricht wurde fortgesetzt, Prüfungen fanden statt, Klassen unternahmen Ausflüge, und Musik, Sport und andere schulische Aktivitäten bestanden weiter. Gerade dieses Nebeneinander ist charakteristisch: Die Schule hielt an ihrem Bildungsbetrieb fest und wurde zugleich immer stärker in die Kriegsorganisation einbezogen.
Neben planmäßigem Unterricht prägten kriegsbedingte Arbeitsdienste, Sammlungen und öffentliche Aktionen den Schulalltag. Schüler zeichneten Kriegsanleihen, sammelten Rohstoffe und Geld, musizierten in Lazaretten, wurden zu statistischen Erhebungen herangezogen und sammelten 1918 wochenlang Laubheu und Brennnesseln. Hinzu kamen Unterrichtsausfälle bei militärischen Erfolgen und eine ausgeprägte patriotisch-monarchische Festkultur.
Kriegsbedingte materielle Engpässe wie Kohlenmangel und Ernährungsknappheit verschärften die Lage zusätzlich. Der Unterrichtsausfall im Februar 1917, der Schulbeginn um 6.15 Uhr seit 1916 und die zehntägige Schließung während der Grippeepidemie 1918 zeigen, wie weit die Auswirkungen des Krieges schließlich in den alltäglichen Schulbetrieb hineinreichten.
Die Gedenkpraxis nach den ersten Todesfällen war bereits während des Krieges deutlich heroisch geprägt. Die Gefallenen wurden nicht nur betrauert, sondern ausdrücklich als Vorbilder für die Jugend dargestellt. Diese Deutung verband Verlust, Vaterlandspflicht und schulische Erziehung miteinander.
Insgesamt zeigt die Friedrichsschule deshalb nicht den vollständigen Übergang von einer Bildungsinstitution zu einem bloßen „Erfüllungsgehilfen“ des Staates. Präziser ist ein Prozess zunehmender Durchdringung: Der reguläre Bildungsbetrieb blieb bestehen, wurde aber personell, organisatorisch, materiell und symbolisch immer stärker den Anforderungen des Krieges angepasst. Gerade die Gleichzeitigkeit von Unterricht und Prüfung einerseits sowie militärischer Mobilisierung, Hilfsdiensten, patriotischer Feierkultur und wachsender materieller Not andererseits kennzeichnet die Friedrichsschule in den Jahren 1914 bis 1918.